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Automatisierung

Automatisierung hält den Kopf frei

Mehrere Braukessel in einer Brauerei
Brauerei-Chef Jeff Maisel über die Kunst, Moderne und Tradition mit Fingerspitzengefühl und Bits und Technik zu verbinden

„Wenn man Automatisierung als Rationalisierung versteht, ist Brauen kein Handwerk mehr. Das soll es aber für uns bleiben. Deshalb ist der Grad der Automatisierung entscheidend. Wir wollen unsere Flexibilität wahren und nicht vollautomatisiert arbeiten. So können unsere Brauer und Braumeister mit ihrer Erfahrung und Liebe zum Handwerk in den Brauprozess eingreifen.

Automation denkt – zumindest heute noch – nicht mit. Es gibt auf dem Feld Witterungsbedingungen, die die Qualität unserer Rohstoffe empfindlich beeinträchtigen. Mehr oder weniger Wasser, mehr oder weniger Sonne sorgen für größere oder kleinere Getreidekörner mit höherem oder geringerem Stärkegehalt. Um darauf eingehen zu können bedarf es viel Hirnschmalz und Energie eines erfahrenen Brauers, der weiß, was unter den gegebenen Umständen zu tun ist, um weiterhin das bestmögliche Bier zu machen. Der Vorteil der Automatisierung hierbei ist es, dass alles automatisch mitgeschrieben wird und der Brauer anhand der gesammelten Daten genau auswerten kann, welche Auswirkungen ein schlechterer Rohstoff auf die Gärung und das Bier hat. Entsprechend kann er auch genau analysieren, an welchen Stellschrauben er drehen muss, wie er zum Beispiel Malze verschneiden muss, um eine gleichbleibend hohe Qualität seines Bieres zu erreichen.

Automatisierung ermöglicht und sichert eine gleichbleibend hohe Bierqualität. Das ist auch der Grund, warum wir unsere Maisel & Friends Brauwerkstatt im gleichen Maß automatisiert haben wie unsere andere Anlage. Auch die Brauwerkstatt wird mit dem iPad gesteuert. Denn: Automatisierung ermöglicht uns mehr Zeit und Freiheit, uns um neue Rezepte zu kümmern und Gedanken über die Optimierung unserer Produkte zu machen. Unsere Braumeister arbeiten heute mehr mit dem Kopf. Körperliche Schwerstarbeit gibt es kaum noch. Früher mussten Brauer viele Schläuche ziehen und durch Sudhaus brüllen: ‚Mach mal hier auf, jetzt mach da zu…‘ Stattdessen können sie sich heute auf Analyse von Daten und Mechatronik konzentrieren.
Nicht zuletzt sorgt Automatisierung dafür, dass unsere Mitarbeiter gerne hier arbeiten. Jeder will heutzutage einen zukunftsorientierten Arbeitsplatz – und den können wir ihnen bieten. Und dass der Braumeister in Bereitschaft heute nicht unbedingt nachts in die Brauerei fahren muss, sondern zunächst auf dem Handy checken kann, was mit der Brauanlage los ist, ist ohne Frage ein großer Vorteil.

Klar gibt es immer eine romantische Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit“. Tatsächlich halte ich das aber für eine verklärte Sicht der Dinge: Unsere Aufgabe ist es, das bestmögliche Bier zu produzieren. Das war es früher und das ist es heute. Wir arbeiten als Brauer daran auch immer noch genau wie damals, nur unser Handwerkszeug hat sich verändert. Verbessert sogar. Zugunsten guten Bieres.“

 

Jeff Maisel

Inhaber der Brauerei Gebr. Maisel und Chef von Maisel & Friends, Bayreuth

Jeff Maisel braut auf einer GEA-Huppmann Brauanlage mit 320 hl Auslassvolumen und Kaspar-Schulz Anlage mit 25 hl in der Brauwerkstatt. Beide Sudhäuser werden gesteuert über ein ProLeiT-System mit dem aktuellsten Update (V9)