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Mehrwert Familienunternehmen

Brauereien sind ein Paradebeispiel dafür, warum die Familie einen Mehrwert für ihr Unternehmen stiftet. Die generationenübergreifende Denkweise und die damit verbundenen Werte sind maßgeblich für den Erfolg und langfristigen Erhalt. Eine Family Governance bildet die Basis, um diesen Wettbewerbsvorteil voll auszuspielen, erklärt Dr. Moritz Fehrer, Projektleiter bei Weissman & Cie. GmbH & Co. KG – Beratung für Familienunternehmen aus Nürnberg.

Moritz Dr. Fehrer
Moritz Dr. Fehrer
Experte für Familienunternehmen Weissman & Cie
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ein gelbes Icon auf schwarzem Asphalt stellt eine Familie dar Zusammenhalt und klare Regeln in der Familie sind die Basis für ein erfolgreiches Familienunternehmen (Foto: Sandy Millar, Unsplash)

Die Familie als Wettbewerbsvorteil

Diese vier Faktoren machen die Familie zu einem Wettbewerbsvorteil für ein Familienunternehmen:

die Familie steuert günstige Arbeitskraft bei; 
die Familie hält das Kapital zusammen und reinvestiert; 
die Familie denkt in Generationen, nicht in Quartalen; 
die Familie wird zum Markenbotschafter und Qualitätsgaranten. 

Damit Familienunternehmen diese Erfolgsfaktoren ausspielen können, ist es entscheidend, für Zusammenhalt und Frieden in der Familie zu sorgen und Streitpunkte möglichst früh zu identifizieren. Mit einer Family Governance lassen sich klare Regeln für die Zusammenarbeit in einem Familienunternehmen definieren.   

 

Die Familie als günstige Arbeitskraft

 

Oftmals sind es die Familienmitglieder selbst, die besonders in der Gründergeneration und auch in den folgenden Generationen mit anpacken. Dies findet sich auch häufig in kleinen Familienunternehmen wieder sowie im Handwerksbereich. Dabei wird die Ressource Familie als so selbstverständlich wahrgenommen, dass eine entsprechende Entlohnung nach Arbeitszeit und Aufwand häufig unter den Tisch fällt oder zumindest stark vernachlässigt wird.

Da das „eigene“ Unternehmen als Ernährer der Familie gilt und dessen Fortbestand und Leistung deshalb zum höchsten Gut erhoben werden, kann es auch kurzzeitig über dem Wohlergehen eines jeden Einzelnen stehen. Dies wird im Allgemeinen auch von allen Familienmitgliedern so akzeptiert, und zwar völlig unabhängig davon, ob diese einen regulären Arbeitsvertrag oder gar Anteile am Unternehmen halten oder nicht. Es ist aber nun mal genau diese unbezahlte Arbeit, gepaart mit einem Idealismus, den man nicht für Geld kaufen kann, welcher als echter Erfolgsgarant wirkt und die Familie untrennbar an ihr Unternehmen schweißt.

Nur versicherungstechnisch könnte es Probleme geben, wenn beispielsweise die seit Jahren ohne Arbeitsvertrag mitarbeitende Ehefrau im Winter auf dem Weg ins Büro auf eisigen Stufen ausrutscht und sich den Knöchel bricht. Eigentlich ein klassischer Arbeitsunfall, der jedoch ohne Angestelltenvertrag nicht als solcher gilt.
Oder wenn eines Tages das Thema Nachfolge anstehen sollte und der Unternehmer voller Schrecken feststellen muss, dass für die Altersversorgung kein Vermögen außerhalb des Unternehmens aufgebaut worden ist, da jegliches Kapital ohne Ausschüttungen direkt ins Unternehmen zurückgeführt worden ist.

Nun ist guter Rat teuer und man muss zu Notlösungen wie Leibrente und Erbpacht greifen. Bedeutend besser ist es, schon in frühen Jahren an die Altersversorgung zu denken und sich echtes „Tafelsilber“ zuzulegen. Damit ist Vermögen gemeint, das außerhalb des Unternehmens liegt und auf das auch die Bank keinen Zugriff hat. 

 

Reinvestitionen, Eigenkapital, Gesellschafterdarlehen

 

In Familienunternehmen tendiert die Unternehmerfamilie oft dazu, Kapital zusammenzuhalten und am liebsten in die eigene Firma zu (re-)investieren. Das kann, wie oben erwähnt, in puncto Altersversorgung in mancher Perspektive nachteilig sein, der Firma selbst tut es aber meist sehr gut. 

Während in guten Zeiten günstige Kredite an jeder Ecke winken und Bankberater in den Hochglanzmagazinen den Mittelstand gehörig für die viel zu hohen Eigenkapitalquoten tadeln, bleiben Familienunternehmer meist misstrauisch. Dieses Misstrauen zahlt sich jedoch gerade in Krisen aus. In der Welt der Familienunternehmer gilt derjenige als unantastbar, der eine Eigenkapitalquote von 100 Prozent aufweisen kann.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht auch über Bankbeziehungen verfügt und auch mal den einen oder anderen Kredit aufnimmt. Bei den Kosten, die beispielsweise für die Anschaffung einer modernen Abfüllanlage entstehen, bezahlt heute niemand mehr in bar. Solch ein Kredit wird idealerweise auf die Anlage und nicht gleich auf das ganze Unternehmen oder gar auf das private Wohnhaus abgestellt. 

In Krisenzeiten heißt es „zusammenhalten“, und das bedeutet nicht selten ein oder auch mehrere Jahre teilweise oder gar völlig auf Ausschüttungen und Gesellschafterdarlehen zu verzichten. Undenkbar für die allermeisten Aktiengesellschaften. Solch eine Ankündigung müsste zwangsweise zum sofortigen Kursverlust führen. Die Unternehmerfamilie hingegen ist zwar nicht glücklich damit, aber Kummer nun einmal gewohnt; schließlich verfolgt sie nicht nur kurzfristige monetäre Ziele, sondern denkt viel eher in Dekaden.

Dabei ist sie sich ihrer Verantwortung gegenüber der eigenen Familie aber auch gegenüber den Mitarbeitern und dem gesamten sozialen Umfeld, in dem sie lebt, bewusst. Eine Durststrecke mit Aussicht auf Bestehen in der Zukunft ist in diesem Fall hinnehmbar.

 

Familienunternehmen denken in Generationen

 

Findet das Denken der meisten Aktiengesellschaften vor allem in Quartalen statt, so haben Familienunternehmen zumeist einen wesentlich langfristigeren Horizont. Man kann hier durchaus von einem dynastiegeprägten Denken sprechen. Eltern sind bereit, Investitionen zu tätigen oder Projekte anzustoßen, von denen erst ihre Kinder profitieren werden. Das mag die neue, bereits oben erwähnte Flaschen-Abfüllanlage oder aber ein komplettes Sudhaus sein. Wenn in der Familie die Nachfolge gesichert ist, muss sich nicht jede Investition sofort amortisieren.

Ähnliches Vertrauen wie in die Zeit hat man selbstverständlich auch in die Mitarbeiter, die oft langjährige Firmenjubiläen feiern. In manchen Familienunternehmen kommt es sogar vor, dass Arbeitnehmer schon seit zwei oder gar noch mehr Generationen treu und fleißig im Unternehmen mitarbeiten und einen fast familiengleichen Status erreicht haben.

Solche Langfristigkeit schafft Vertrauen, und die meisten Unternehmer sind stolz auf ihre Historie und die vielen Höhen und Tiefen, die sie schon erlebt haben. Nicht selten fängt man dann irgendwann an, sich mit einem „Seit 18XX“ auf dem Etikett zu schmücken, um die eigene Tradition auch nach außen sichtbar zu machen. Viele Unternehmer und deren Kunden sehen das Alter gleichbedeutend mit der Qualität des Produkts, und so werden die Familie, das Unternehmen und die eigene Historie, welche oftmals regional verwurzelt ist, Teil der eigenen Marke. 

 

Firma = Familie = Marke

 

Beispiele für Unternehmen, bei denen die Marke, der Unternehmer und das Produkt grenzenlos ineinander übergehen, gibt es einige: Claus Hipp von Babynahrungs-Hersteller Hipp, Wolfgang Grupp von Trigema oder auch Jeff Maisel von der Brauerei Gebr. Maisel – sie alle fungieren bewusst als Markenbotschafter, um die Vorzüge ihres Produkts nach außen hin zu repräsentieren. 

Durch die langfristige Denkweise wird zumeist auch Anspruch an höchste Qualitätsstandards erhoben. Ein schnöder Konsumkauf ist eher die Ausnahme und verpönt. Eine „Geiz ist geil“-Mentalität mag andere anziehen, auf gestandene Unternehmer wirkt sie eher abschreckend. So tun sich viele Inhaber recht schwer, den neuesten Hypes zu begegnen. Das mag bei kurzfristigen Strohfeuern noch verzeihlich, ja sogar vernünftig sein. Problematisch wird es allerdings, wenn der Hype zum Trend wird und sich fortwährend weiterentwickelt. Der seit Jahren stagnierende Bierkonsum ist zum Beispiel solch ein Trend.

 

 

 

Nahaufnahme von vier Händen auf einem Tisch mit Dokumenten, eine Hand unterzeichnet ein Dokument mit einem Stift Eine Familienverfassung schafft Klarheit für alle Familienmitglieder, wenn es um die Nachfolgeregelung geht (Foto: Romain Dancre, Unsplash)

Family Governance

  Wer jetzt für mehrere Millionen investiert, hat hoffentlich eine starke Marke und eine entsprechend kluge Unternehmensstrategie. In beiden Fällen sollte er aber seine Familie hinter sich wissen. Denn so vorteilhaft und stark eine geeinigte Familie auch sein kann, so destruktiv wirkt sie sich aus, wenn sie sich im Unfrieden befindet.
Streit über die Ausrichtung des Unternehmens, Ausschüttungen, Pflichtteilsverzichte, Eheverträge und eine noch ungeklärte Nachfolge sind nur ein paar der wenigen Facetten.

Manch eine Unternehmerfamilie wäre bedeutend besser beraten, wenn sie sich erst einmal um die Erarbeitung einer professionellen Family Governance kümmern würde, bevor sie sich um die großen und kleinen Angelegenheiten im Unternehmen Gedanken macht.

Instrumente einer Family Governance können miteinander verknüpfte Dokumente wie beispielsweise eine Familienverfassung, ein Gesellschafterpositionspapier, die Geschäftsordnung oder auch eine Beirats-/Aufsichtsratsordnung sein. Wichtig ist dabei, dass wirklich alle relevanten Fragen zur kurz-, mittel- und langfristigen Ausrichtung des Unternehmens beantwortet werden und definiert wird, welche Rollen und Aufgaben dabei die Familie respektive die Geschäftsführung innehaben.

Die Bandbreite der zu beantwortenden Fragen ist dabei individuell festzulegen, reicht aber von Themen wie Ausschüttungen und Reinvestitionen, Ehevertrag, Notfallregelungen bis zur Nachfolge und der Frage nach der Rolle angeheirateter Ehepartner. Derlei Regelungen sind kein Luxus, sondern unerlässlich, denn nur eine zufriedene und geeinte Familie ist eine Unterstützung im Unternehmen.